Schlagwort: Nachhaltigkeit

  • Muffig und kratzig?

    Muffig und kratzig?

    Über Jahre wuchs in mir der Wunsch einen Plattenspieler zu besitzen und in ruhigen Stunden ganz bewusst ein Album zu hören. In der Realität scheiterte es augenscheinlich an den ruhigen Stunden. Familie, Vollzeitjob und andere Aufgaben ließen in den letzten Jahren wenig Zeit sich mit dem Thema weiter auseinanderzusetzen. 

    So wurde weiter querbeet und nebenbei gestreamt, im Büro, im Auto oder beim Kochen. Schlecht ist das nicht: (fast) alle Titel verfügbar, personalisierte Playlisten die vom Algorithmus erstellt werden und Infos über Neuerscheinung. Musik Streaming Dienste, in meinem Fall spotify, möchte ich nicht missen und sind zurecht auf einem Siegeszug.

    Dass es aber fürs bewusstes Musikhören auch viel besser geht, lernte ich, als ich mir mit Ende 33 meinen ersten Plattenspieler kaufte. 

    Allein der Kauf hatte schon wieder so viel Schönes. Ich traf einen Mann in seiner zur Werkstatt und Vorführraum umgestalteten Dachgeschosswohnung und spürte sofort seine Faszination für Vinyl, Tonband und Tape. Da ich wenig Ahnung und etwas Zeit hatte ließ ich mich in ein Gespräch verwickeln, mir verschiedene Plattenspieler vorstellen (eigentlich war im Vorwege sowohl Gerät als auch Preis vereinbart) und der Vollständigkeit halber auch noch Kostproben von guten Tonbandgeräten und Kassettendecks geben.

    Die Beute auf dem Beifahrersitz

    Das Ende vom Lied: ich war nach 75min wieder draußen am Auto, hatte einen grundüberholten Plattenspieler aus den 80er Jahren und 20 Euro mehr ausgegeben als vorher geplant. Und vor allem hatte ich den Rest des Tages ein Lächeln im Gesicht und das super Gefühl, mir endlich diesen kleinen Wunsch erfüllt zu haben. Monetär keine große Anschaffung und dennoch etwas für die Seele. Ich hatte zwar noch keine einzige Platte aber die Freude den ersten Schritt gemacht zu haben, die Begeisterung dafür das ein Gerät aus den 80er Jahren noch voll funktionsfähig ist (und nicht eine Woche nach Garantieende irreparabel kaputt geht) und die Aussicht nun in Plattenläden und auf Flohmärkten nach Schätzen aus Vinyl stöbern zu können waren absolute glücklichmacher und jeden Cent wert.

    Und heute, circa 1,5 Jahre später, ist meine Euphorie immer noch ungebrochen. Ich habe mittlerweile eine kleine Plattensammlung, die noch nicht mal ganz durchgehört ist, da viele Schenkungen aus dem familiären Umfeld hinzu kamen. 

    Allein die Haptik, manch ein Cover samt Booklet ist ein kleines Kunstwerk und fängt mich, wenn ich es in den Händen halte, noch bevor ich die Scheibe höre. Ohne dass ich den Achtsamkeits-Thrent überbewerten möchte, ist es eine andere, bewusste Art Musik zu hören. In Ruhe ans Regal herantreten, sich eine Scheibe aussuchen, sie mit zum Plattenspieler zu nehmen, aufzulegen, die Nadel auf die erste Rille runterlassen und als kleines Vorspiel, bevor die Musik ertönt, dieses herrliche Knistern zu hören.

    Was ich vorher sehr lange nicht gemacht habe, war Musik zu kaufen. Klar, die monatliche Streaminggebühr, aber nicht gezielt ein Album. Neben den Schätzen aus Plattenläden und von Flohmärkten gefällt mir vor allem auch die Unterstützung von Lieblingskünstlern. Es ist neu für mich gewesen, eine Platte mehrere Monate vor Releasedatum beim Label zu kaufen und dann irgendwann ganz freudig vom DHL Boten überrascht zu werden. 

    Platte zu hören ist für mich irgendwie auch Wertschätzung. Wertschätzung dem Künstler gegenüber, wie eben beschrieben durch den Kauf des Tonträgers. Und Wertschätzung der vom Künstler geschaffenen Musik gegenüber. Kein Shuffle, jedes Lied hat seinen Platz, jedes Lied wird in dem Arrangement wie vom Künstler gedacht gehört, mal nur über Seite A und B, mal über mehrere Platten hinweg. Schön!

    So sind meine Platten sowohl knisternde Zeitzeugen als auch brandneue, kristallklare Schätze aus diversen Musikrichtungen und wenn man sie etwas pflegt, hat man sie ein Leben lang und kann sich daran freuen in vielen bannig kommodigen Stunden!

  • Auf zu neuen Ufern

    Auf zu neuen Ufern

    Meine erste Kamera war eine analoge Kamera von Kodak, da war ich 8 oder 9 Jahre alt. Dann strömten die Digitalkameras auf den Markt und ich sparte auf eine digitale Kompaktkamera und das analoge Fotografieren, mit Zeit für Motivauswahl und bewusstem Auslösen geriet völlig in Vergessenheit.

    In Kindheit und Jugend war Fotografieren Mittel zum Zweck, um Erinnerungen festzuhalten und später zu teilen. Ein richtiges Verständnis für die Fotografie, die Prozesse und Gestaltungsmöglichkeiten hatte ich nicht. 

    Es folgte aus kreativem Interesse während meiner Studienzeit die erste digitale Spiegelreflexkamera. Bei Gelegenheit ergänzte ich mein Equipment um Objektive, Blitze und später um eine zweite DSLR. Die Bilder wurden besser, aber viele Einstellungen überließ ich weiter der Kamera und machte mir keinen Kopf über die dahinterliegenden Basics.

    Aber genug des Vorworts, in diesem Beitrag soll es weder um die Fotografischen-Basics gehen, noch um eine Gegenüberstellung von analoger und digitaler Fotografie. Es geht vielmehr darum, wie uns ein Flohmarktkauf und die anschließende Reparatur in die Welt der „echten“ Analogfotografie eintauchen ließ. Ein Hobby, in dem es viel zu lernen und entdecken gibt.

    Die Olympus OM-2 soll heute im Fokus stehen. Auf dem Flohmarkt für kleines Geld gekauft. Optisch mit Gebrauchsspuren, aber sie löste aus und klickte ganz wunderbar dabei. Da ich keine Ahnung hatte, reichte mir das. Für den Preis wäre es auch ein guter Dekoartikel für das Regal mit meinem Fotoequipment geworden. 

    Die folgenden drei Wochen im Zeitraffer: Montag Kodak-Farbfilm gekauft; bis Donnerstag halbwegs sinnvoll gefüllt; Freitag in die Drogerie gebracht und dann knapp zwei Wochen auf die entwickelten Fotos gewartet. 

    Das Ergebnis war leider ernüchternd. Helligkeit von allen Seiten machte jedes Bild unbrauchbar. Es war klar, hier war etwas Pflege und Instandsetzung nötig. Die Lichtdichtung hinter der Rückklappe war porös und hatte sich zum Teil aufgelöst. Einige YouTube Tutorials später besorgten wir uns Öl, Skalpell, dünnes Schwarzes Moosgummi, Zahnstocher, Kleber, Wattestäbchen und Nagellackentferner und machten uns ans Werk.

    Erst die alten Dichtungsreste entfernen, anschließend alles gründlich säubern und zu guter Letzt die neue Dichtung zuschneiden und in die Führung einsetzen – verkleben brauchten wir sie gar nicht.

    Nach der Instandsetzung folgte das „Lernen“ der Fotografie-Basics.

    Nun mussten wir uns wieder in Geduld üben. Es galt erneut einen Film zu füllen und in so einer „Testsituation“ sind 36 Bilder echt viel. Anschließend wieder das Warten auf das Fotolabor und schließlich der spannende Moment mit den Fotos in der Hand. Die Spannung war groß und die Freude noch größer. Unser Bemühen war erfolgreich und die Fotos waren etwas geworden. Also rein technisch. Die meisten Fotos zeigten aber auch, dass es noch einiges zu lernen gab in punkto Einstellung der Blende, Verschlusszeit und so weiter.

    Die Olympus ist zu einem guten Begleiter geworden.

    Unser Ehrgeiz war geweckt und es begann eine wunderbare Reise in die Welt der analogen Fotografie. Eine Reise, in der es für uns noch täglich neue Dinge zu entdecken gibt und eine Reise, die in aller Ruhe vonstatten geht. Denn im Gegensatz zur digitalen Fotografie, wo man nach jedem Auslösen das Resultat prüfen kann, haben wir oft erst ein Vierteljahr später die Bilder in der Hand. Dies ist sehr entschleunigend und irgendwie bannig kommodig.

  • Eine Liebeserklärung an unser Schwalbennest

    Eine Liebeserklärung an unser Schwalbennest

    Im Vergleich zu einem modernen Wohnwagen bietet unser Oldtimer geringen Komfort, keine technischen Hilfen und wenig Platz – wer würde sich nicht sofort verlieben?

    Übernachten an der Elbe.

    Das Schwalbennest ist ein Zeuge aus einem längst vergangenen Jahrzehnt, sehr viel älter als ich und immer noch einsatzbereit für den Zweck seiner Herstellung. Das fasziniert mich!

    Warum ist das so? Schwer zu sagen.

    Er löst keine wehmütige Kindheits- und Jugenderinnerungen aus, denn ich war früher „nur“ Zelten und dies immer in Kombination mit einem anderen Hobby welches im Vordergrund stand: dem Rudern oder aber auch auf Festivals.

    Auch ist es weniger die Sehnsucht nach einer nicht selbst erlebten Epoche, die 70er Jahre sind ein Jahrzehnt welches mich wenig interessiert. Es ist vielmehr das Statement was er jetzt und heute für mich verkörpert:

    Entschleunigung und Rückbesinnung

    Unser Schwalbennest verkörpert für mich noch das ursprüngliche Campinggefühl. Klar, es ist mehr als Schlafsack, Luftmatratze und Zelt, aber immer noch sehr nah dran an der Natur, ein Hauch von Abenteuer und das Gefühl, der Zivilisation zumindest für diese Augenblicke ein klein wenig entronnen zu sein. Für mich macht das Übernachten im Schwalbennest andere Outdoor-Hobbys noch intensiver erlebbar: Nach dem erkunden eines Sees mit dem SUP, nach einem Fotostreifzug durch den Wald oder einem Nachmittag am Strand – es macht einen Unterschied ob ich in ein Hotelzimmer zurückkehre oder in der Outdoor-Umgebung bleibe. Es ist ist einfach ein tolles Gefühl und ein entschleunigendes Erlebnis am Abend mit einem kühlen Bier die hereinbrechende Nacht und die aufgehenden Sterne zu beobachten. Das Abkühlen der Luft zu spüren, am Feuer sitzend mit Blick aufs Wasser. Und es ist ein erdendes Gefühl des Nachts den Regen auf das Wohnwagendach trommeln zu hören oder einen Sturm an den Wänden ruckeln zu spüren. Es ist ein Perspektivwechsel der mir zeigt wie klein der Mensch ist im Vergleich zur Natur und auch zeigt wie gut wir es haben in unseren festen Behausungen.

    Nachhaltigkeit und „Heimwerker“-Projekt

    Ich mag es gute Dinge second hand zu kaufen, anstatt nur auf Neuware zu setzen. Ein neuer Wohnwagen hätte für mich nicht denselben Charm, auch wenn es da ohne Frage sehr schöne und Modelle mit raffinierter Ausstattung gibt.

    Die Weiternutzung eines Oldtimers mit eigener Geschichte ist mein Beitrag zum Umweltschutz.

    Und ich möchte selber „Anpacken“ können. Kleine Schönheitsreparaturen, Pflege und Instandsetzung als gemeinsame Projekte umzusetzen. Dafür steht dieser Oldtimer auch. Hier und da etwas MacGyver-Pfadfindergeist, gepaart mit handwerklichem Geschick – so wird DAS Schwalbennest zu UNSEREM Schwalbennest. Dabei steigt mit jedem Handgriff die Vorfreude auf den nächsten gemeinsamen Trip.

    Freiheit und Flexibilität

    Für mich ist es auch ein Statement für die Lust an der Flexibilität in einem sonst sehr durchgeplanten Alltag. Aufbrechen, rauskommen, unterwegs sein und ein wenig auch ausbrechen. Spontan und ohne sorgfältiger Vorplanung kann es losgehen, mit dem Gefühl überall zu Hause zu sein. Immer parat – unsere Instant-Freiheit sozusagen. Das Leben im Hier und Jetzt zu spüren und dieses Gefühl von „barfuß leben“ lässt den Abstand zum Alltag schnell immer größer werden.

    Ein gemeinsames Hobby

    Und trotz seiner Historie ist unser Schwalbennest nicht zuletzt auch ein Statement für einen neuen Lebensabschnitt. Er verkörpert für mich neue Augenblicke wie diesen: Ich höre beim Aufwachen das Zwitschern der Vögel, mit noch leicht verschlafenen Augen öffne ich die Tür des Schwalbennestes und spüre die frische Morgenluft hineinströmen. Es reicht schon jetzt nach einem herrlichen Sommertag! Sabi kocht den ersten Kaffee, während wir gemeinsam den Frühstückstisch vorbereiten. Schöner kann ein Tag für mich nicht beginnen.

    Einfach #BanningKommodig