Kategorie: Fotografie

  • Eine schöne Geschichte in einer unwirklichen Zeit

    Eine schöne Geschichte in einer unwirklichen Zeit

    Deutschland im April 2021, Corona-Lockdown: Jedes Bundesland, jeder Kreis, jede Stadt tat sich mit eigenen Maßnahmen, Reisebeschränkungen, Beherberungsverboten, geschlossenen Lokalen und Ladengeschäften hervor. Mal nach Inzidenz, mal nach genereller Verordnung.

    Aus dieser Zeit ist mir ein Wochenende besonders in Erinnerung geblieben, welches vermutlich gerade aufgrund dieser Gemengelage zu einem bannig kommodigen Abenteuer wurde. 

    Das Abholen eines Kleinanzeigen-Kaufes klingt erst einmal unspektakulär. Aber allein dieses Vorhaben hatte schon eine unglaubliche positive Energie ausgelöst. Zum einen, da wir uns unglaublich auf das neue Equipment freuten, mit dem wir eine weitere Facette unseres Hobbys Fotografie erobern konnten. Zum Anderen, da der Abholort mit Salzgitter, aus Hamburg kommend, einen kleinen Roadtrip versprach und damit eine sehr willkommene Abwechslung im Lockdown.

    Fotolabor in Dunkelkammer

    Ein paar Tage zuvor hatten wir auf Kleinanzeigen ein komplettes Fotolabor erstanden, mit dem wir uns eine Dunkelkammer im heimischen Keller einrichten konnten und an diesem Samstag war die Abholung am späten Vormittag vereinbart. Am Vorabend entstand die Idee, den Grund der Reise zu nutzen, um etwas mehr draus zu machen. Denn wenn wir schon in den Nordharz fahren, dann können wir dort am Nachmittag auch wandern gehen – so der erste Gedanke. Dies geht schließlich auch im Lockdown. Diese Idee wurde schnell größer und am Ende des Abends waren die Rücksitze des Autos umgelegt und selbiges mit einer kleinen Campingausrüstung und Matratzen zum übernachten ausgestattet. Denn auch wenn Hotels und Gaststätten geschlossen sind, einen gemütlichen, naturnahen Stellplatz für eine Nacht werden wir schon finden, so unsere Idee.

    …bereit fürs Abenteuer

    Als es am Samstagmorgen ausgestattet mit einer kleinen Snacktasche und einem heißen Kaffee losging, waren wir voller Vorfreude: auf das neue Equipment, auf das Wandern und darauf endlich mal wieder rauszukommen für mehr als einen Tagesausflug.

    Und es wurde richtig schön! Die Fahrt nach Salzgitter war fix gemacht, das Equipment zur Fotoentwicklung schnell abgeholt und im Auto verstaut. Obwohl letzteres doch schwieriger war als gedacht, da sich das Fotolabor als sehr umfangreich darstellte. Diese Tatsache schrieb uns kurzzeitig Fragezeichen ins Gesicht, da die geplante Fläche zum Schlafen nun komplett mit Kisten zugestellt war. Aber wir waren uns sicher eine Lösung zu finden und im Zweifel würde es doch ohne Übernachtung direkt nach Hause gehen.

    Und dann folgte der zweite Teil, auf den wir uns sehr freuten. Eine kleine Wanderung irgendwo zwischen Clausthal-Zellerfeld und Goslar. Hier einige Impressionen:

    Die Stunden in der Natur haben uns den Lockdown vergessen lassen, aber am Auto angekommen holte uns die Realität fix wieder ein: bei dem Versuch uns einen Kaffee zu kochen mussten wir feststellen, dass wir keine Gaskartusche für den Kocher mitgenommen hatten. Ärgerlich. Glück im Unglück, die Baumärkte durften in Niedersachsen öffnen, allerdings war ein Besuch nur mit vorheriger Terminvereinbarung möglich. Also schnell den nächsten Baumarkt gegoogelt, Termin gebucht und Gas gekauft. Eine Anekdote die heute, knapp 1,5 Jahre später, schon sehr surreal wirkt.

    Bei einem frisch gebrühtem Kaffee überlegten wir uns, wie unsere kleine Tour weitergehen sollte. Nach Hause fahren schlossen wir als Option schnell aus. Blieb die Frage wo wir unser Auto für die Nacht parken sollten. Wir entschlossen uns letztendlich dafür in Richtung Hamburg zurück zu fahren und irgendwo im Nationalpark Lüneburger Heide einen ruhigen Platz in der Natur zu suchen. Beim finden half uns letztendlich die App park4night.

    Irgendwie haben wir es geschafft die Liegefläche für die Nacht freizuschaufeln.
    Es war eine wunderschöne, sternenklare Nacht…
    …allerdings auch recht frostig (beim Blick auf unser Autodach wurden wir an den Restschnee im Harz erinnert).

    Der nächste Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein und nach einem leckeren „Reste Frühstück“ mit frischem Kaffee waren wir wieder durchgewärmt und starteten einen ausgiebigen Spaziergang durch die Heidelandschaft.

    Anschließend ging es zurück nach Hause. Mit einem Fotolabor, vielen tollen Eindrücken und der Erkenntnis im Gepäck, dass es nicht zwingen Hotels und Restaurants benötigt um ein gelungenen Wochenendtrip zu machen.

  • Auf zu neuen Ufern

    Auf zu neuen Ufern

    Meine erste Kamera war eine analoge Kamera von Kodak, da war ich 8 oder 9 Jahre alt. Dann strömten die Digitalkameras auf den Markt und ich sparte auf eine digitale Kompaktkamera und das analoge Fotografieren, mit Zeit für Motivauswahl und bewusstem Auslösen geriet völlig in Vergessenheit.

    In Kindheit und Jugend war Fotografieren Mittel zum Zweck, um Erinnerungen festzuhalten und später zu teilen. Ein richtiges Verständnis für die Fotografie, die Prozesse und Gestaltungsmöglichkeiten hatte ich nicht. 

    Es folgte aus kreativem Interesse während meiner Studienzeit die erste digitale Spiegelreflexkamera. Bei Gelegenheit ergänzte ich mein Equipment um Objektive, Blitze und später um eine zweite DSLR. Die Bilder wurden besser, aber viele Einstellungen überließ ich weiter der Kamera und machte mir keinen Kopf über die dahinterliegenden Basics.

    Aber genug des Vorworts, in diesem Beitrag soll es weder um die Fotografischen-Basics gehen, noch um eine Gegenüberstellung von analoger und digitaler Fotografie. Es geht vielmehr darum, wie uns ein Flohmarktkauf und die anschließende Reparatur in die Welt der „echten“ Analogfotografie eintauchen ließ. Ein Hobby, in dem es viel zu lernen und entdecken gibt.

    Die Olympus OM-2 soll heute im Fokus stehen. Auf dem Flohmarkt für kleines Geld gekauft. Optisch mit Gebrauchsspuren, aber sie löste aus und klickte ganz wunderbar dabei. Da ich keine Ahnung hatte, reichte mir das. Für den Preis wäre es auch ein guter Dekoartikel für das Regal mit meinem Fotoequipment geworden. 

    Die folgenden drei Wochen im Zeitraffer: Montag Kodak-Farbfilm gekauft; bis Donnerstag halbwegs sinnvoll gefüllt; Freitag in die Drogerie gebracht und dann knapp zwei Wochen auf die entwickelten Fotos gewartet. 

    Das Ergebnis war leider ernüchternd. Helligkeit von allen Seiten machte jedes Bild unbrauchbar. Es war klar, hier war etwas Pflege und Instandsetzung nötig. Die Lichtdichtung hinter der Rückklappe war porös und hatte sich zum Teil aufgelöst. Einige YouTube Tutorials später besorgten wir uns Öl, Skalpell, dünnes Schwarzes Moosgummi, Zahnstocher, Kleber, Wattestäbchen und Nagellackentferner und machten uns ans Werk.

    Erst die alten Dichtungsreste entfernen, anschließend alles gründlich säubern und zu guter Letzt die neue Dichtung zuschneiden und in die Führung einsetzen – verkleben brauchten wir sie gar nicht.

    Nach der Instandsetzung folgte das „Lernen“ der Fotografie-Basics.

    Nun mussten wir uns wieder in Geduld üben. Es galt erneut einen Film zu füllen und in so einer „Testsituation“ sind 36 Bilder echt viel. Anschließend wieder das Warten auf das Fotolabor und schließlich der spannende Moment mit den Fotos in der Hand. Die Spannung war groß und die Freude noch größer. Unser Bemühen war erfolgreich und die Fotos waren etwas geworden. Also rein technisch. Die meisten Fotos zeigten aber auch, dass es noch einiges zu lernen gab in punkto Einstellung der Blende, Verschlusszeit und so weiter.

    Die Olympus ist zu einem guten Begleiter geworden.

    Unser Ehrgeiz war geweckt und es begann eine wunderbare Reise in die Welt der analogen Fotografie. Eine Reise, in der es für uns noch täglich neue Dinge zu entdecken gibt und eine Reise, die in aller Ruhe vonstatten geht. Denn im Gegensatz zur digitalen Fotografie, wo man nach jedem Auslösen das Resultat prüfen kann, haben wir oft erst ein Vierteljahr später die Bilder in der Hand. Dies ist sehr entschleunigend und irgendwie bannig kommodig.