Auf zu neuen Ufern

Meine erste Kamera war eine analoge Kamera von Kodak, da war ich 8 oder 9 Jahre alt. Dann strömten die Digitalkameras auf den Markt und ich sparte auf eine digitale Kompaktkamera und das analoge Fotografieren, mit Zeit für Motivauswahl und bewusstem Auslösen geriet völlig in Vergessenheit.

In Kindheit und Jugend war Fotografieren Mittel zum Zweck, um Erinnerungen festzuhalten und später zu teilen. Ein richtiges Verständnis für die Fotografie, die Prozesse und Gestaltungsmöglichkeiten hatte ich nicht. 

Es folgte aus kreativem Interesse während meiner Studienzeit die erste digitale Spiegelreflexkamera. Bei Gelegenheit ergänzte ich mein Equipment um Objektive, Blitze und später um eine zweite DSLR. Die Bilder wurden besser, aber viele Einstellungen überließ ich weiter der Kamera und machte mir keinen Kopf über die dahinterliegenden Basics.

Aber genug des Vorworts, in diesem Beitrag soll es weder um die Fotografischen-Basics gehen, noch um eine Gegenüberstellung von analoger und digitaler Fotografie. Es geht vielmehr darum, wie uns ein Flohmarktkauf und die anschließende Reparatur in die Welt der „echten“ Analogfotografie eintauchen ließ. Ein Hobby, in dem es viel zu lernen und entdecken gibt.

Die Olympus OM-2 soll heute im Fokus stehen. Auf dem Flohmarkt für kleines Geld gekauft. Optisch mit Gebrauchsspuren, aber sie löste aus und klickte ganz wunderbar dabei. Da ich keine Ahnung hatte, reichte mir das. Für den Preis wäre es auch ein guter Dekoartikel für das Regal mit meinem Fotoequipment geworden. 

Die folgenden drei Wochen im Zeitraffer: Montag Kodak-Farbfilm gekauft; bis Donnerstag halbwegs sinnvoll gefüllt; Freitag in die Drogerie gebracht und dann knapp zwei Wochen auf die entwickelten Fotos gewartet. 

Das Ergebnis war leider ernüchternd. Helligkeit von allen Seiten machte jedes Bild unbrauchbar. Es war klar, hier war etwas Pflege und Instandsetzung nötig. Die Lichtdichtung hinter der Rückklappe war porös und hatte sich zum Teil aufgelöst. Einige YouTube Tutorials später besorgten wir uns Öl, Skalpell, dünnes Schwarzes Moosgummi, Zahnstocher, Kleber, Wattestäbchen und Nagellackentferner und machten uns ans Werk.

Erst die alten Dichtungsreste entfernen, anschließend alles gründlich säubern und zu guter Letzt die neue Dichtung zuschneiden und in die Führung einsetzen – verkleben brauchten wir sie gar nicht.

Nach der Instandsetzung folgte das „Lernen“ der Fotografie-Basics.

Nun mussten wir uns wieder in Geduld üben. Es galt erneut einen Film zu füllen und in so einer „Testsituation“ sind 36 Bilder echt viel. Anschließend wieder das Warten auf das Fotolabor und schließlich der spannende Moment mit den Fotos in der Hand. Die Spannung war groß und die Freude noch größer. Unser Bemühen war erfolgreich und die Fotos waren etwas geworden. Also rein technisch. Die meisten Fotos zeigten aber auch, dass es noch einiges zu lernen gab in punkto Einstellung der Blende, Verschlusszeit und so weiter.

Die Olympus ist zu einem guten Begleiter geworden.

Unser Ehrgeiz war geweckt und es begann eine wunderbare Reise in die Welt der analogen Fotografie. Eine Reise, in der es für uns noch täglich neue Dinge zu entdecken gibt und eine Reise, die in aller Ruhe vonstatten geht. Denn im Gegensatz zur digitalen Fotografie, wo man nach jedem Auslösen das Resultat prüfen kann, haben wir oft erst ein Vierteljahr später die Bilder in der Hand. Dies ist sehr entschleunigend und irgendwie bannig kommodig.

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